Der Geist steht über der Materie – wie unsere innere Haltung die Zukunft mitgestaltet

Historisches Wandbild eines Menschen, der ein Kind durch das Wasser trägt, mit der Aufschrift „Du bist getragen“ – Symbol für innere Haltung, Vertrauen und Resilienz.

 

Der Geist steht über der Materie – wie unsere innere Haltung die Zukunft mitgestaltet

Wir können nicht bestimmen, was uns im Leben begegnet. Doch wir können eine innere Haltung entwickeln, die uns auch in schweren Zeiten trägt – und von der aus wir unsere Zukunft mitgestalten.

Ich war 22 Jahre alt und im siebten Monat schwanger, als ich erfuhr, dass meine Tochter nicht lebensfähig sein würde. Sie hatte einen schweren Herzfehler. Ich musste sie bis zum neunten Monat austragen – mit dem Wissen, dass ich sie nicht bei mir behalten können würde.

Diese Zeit zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich verlor meinen Glauben, fiel in ein tiefes Loch und konnte mir kaum vorstellen, dass es für mich noch eine gute Zukunft geben könnte.

Damals begann ich, Die Macht Ihres Unterbewusstseins von Dr. Joseph Murphy zu lesen.

Dieses Buch konnte meinen Verlust nicht ungeschehen machen. Es nahm mir auch meine Trauer nicht. Doch es öffnete langsam wieder einen Raum in mir, in dem Zukunft möglich wurde.

Ich begann zu erkennen: Ich konnte nicht verändern, was geschehen war. Aber ich konnte mitentscheiden, ob dieses Geschehen mein gesamtes weiteres Leben bestimmen sollte.

In dieser Zeit entstand eine Überzeugung, die mich bis heute begleitet:

Der Geist steht über der Materie.

Was „Der Geist steht über der Materie“ für mich bedeutet

Dieser Satz bedeutet für mich nicht, dass wir uns Schwierigkeiten wegdenken oder jede schmerzhafte Erfahrung mit einer positiven Erklärung versehen sollen.

Es gibt Erlebnisse, die uns tief erschüttern. Es gibt Trauer, Angst und Zeiten, in denen wir nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Eine tragende innere Haltung verhindert das nicht. Doch sie beeinflusst, wie wir dem begegnen, was geschieht, und wie wir danach weitergehen.

Wir müssen nicht immer stark sein. Auch eine gefestigte Haltung bewahrt uns nicht davor, ins Wanken zu geraten. Sie hilft uns jedoch, uns nach einer Erschütterung wieder auszurichten.

Genau darin liegt für mich Resilienz.

Nicht darin, unverwundbar zu sein. Sondern darin, etwas in sich zu tragen, das auch dann noch da ist, wenn im Außen vieles unsicher geworden ist.

Eine Überzeugung, an die wir uns erinnern können.

Ein Vertrauen, zu dem wir zurückkehren.

Und die Gewissheit, dass eine schwere Zeit nicht das letzte Wort über unser weiteres Leben haben muss.

Was wir für möglich halten, verändert unsere Richtung

Unsere Gedanken sind für mich kein bedeutungsloser innerer Monolog.

Wir müssen nicht jeden Gedanken beobachten, bewerten oder kontrollieren. Doch es gibt Überzeugungen, die uns über Jahre begleiten. Sie prägen, was wir über uns selbst glauben, was wir vom Leben erwarten und welche Zukunft wir überhaupt für möglich halten.

Diese Überzeugungen wirken in unser Leben hinein. Sie beeinflussen unsere Entscheidungen, lenken unsere Aufmerksamkeit und bestimmen mit, welche Möglichkeiten wir erkennen oder innerlich bereits ausgeschlossen haben.

Vieles, was heute zu meinem Leben gehört, war zuerst als Bild in meinem Geist vorhanden.

Ich wohne heute so, wie ich es mir früher vorgestellt habe. Berufliche Möglichkeiten, die ich mir gewünscht hatte, sind in mein Leben gekommen. Und ich kann mein Leben in einer Freiheit gestalten, die mir immer wichtig war.

Das ist nicht geschehen, weil ich einen Wunsch gedacht und anschließend auf seine Erfüllung gewartet habe.

Ein inneres Bild nimmt uns weder Entscheidungen noch notwendige Schritte ab. Doch es gibt unserem Handeln eine Richtung.

Wenn ich etwas grundsätzlich für möglich halte, bewege ich mich anders durch mein Leben, als wenn ich es innerlich längst ausgeschlossen habe. Ich erkenne andere Wege, entscheide anders und bleibe offen für Möglichkeiten, die zu meiner Vorstellung passen.

Vieles beginnt im Geist, bevor es im Außen Gestalt annimmt.

Deshalb erlebe ich es seit Jahrzehnten so:

Das Leben gibt uns immer recht.

Unsere grundlegende Haltung prägt, was wir wahrnehmen und wie wir auf das antworten, was uns begegnet.

Wer davon überzeugt ist, dass das Leben ausschließlich schwer ist, wird vor allem seine Schwere sehen. Wer glaubt, nichts verändern zu können, wird manche Möglichkeit gar nicht erst erkennen.

Wer dagegen darauf vertraut, dass auch nach einer schwierigen Zeit wieder ein Weg entstehen kann, beginnt irgendwann, nach diesem Weg Ausschau zu halten.

Wir können unsere Zukunft nicht vollständig bestimmen. Aber wir gestalten sie durch unsere geistige Haltung mit.

Sorgen verändern das Morgen nicht

Auch eine tragende innere Haltung schützt uns nicht davor, dass Sorgen auftauchen.

Es gibt Tage, an denen unsere Gedanken kreisen. Wir gehen mögliche Entwicklungen immer wieder durch und leben dabei bereits in einer Zukunft, die noch gar nicht eingetreten ist.

Ich erinnere mich an eine Reportage über eine 95-jährige Frau. Sie wurde gefragt, was sie anders machen würde, wenn sie noch einmal jung wäre.

Ihre Antwort war sinngemäß:

Ich würde mir keine Sorgen mehr machen. Es kommt, wie es kommt. Ich kann immer nur mein Bestes geben – aber die Sorgen selbst haben mir nichts gebracht.

Dieser Gedanke ist mir geblieben, weil darin so viel Lebenserfahrung liegt.

Sorgen vermitteln uns oft das Gefühl, etwas zu tun. Als könnten wir uns vor dem Kommenden schützen, wenn wir nur lange genug über alle Möglichkeiten nachdenken.

Doch Sorgen verändern den Ausgang nicht. Sie machen vor allem den heutigen Tag schwer.

Es gibt Situationen, in denen wir handeln können. Dann dürfen wir eine Entscheidung treffen, Unterstützung annehmen oder den nächsten sinnvollen Schritt setzen.

Wenn wir im Augenblick jedoch nichts weiter tun können, führt uns das gedankliche Kreisen nicht näher an eine Lösung.

Dann helfen mir zwei Fragen:

Was kann ich jetzt wirklich tun?

Und was darf ich für diesen Augenblick dem Leben überlassen?

Es geht nicht darum, eine reale Schwierigkeit kleinzureden. Es geht darum, ihr nicht auch noch jeden freien und schönen Moment zu überlassen.

Denn Sorgen schützen uns nicht vor dem Morgen.

Sie nehmen uns nur allzu oft die Freude am Heute.

Ich bin getragen

Vor vielen Jahren entdeckte ich unter Arkaden in Italien ein altes Bild.

Es zeigt einen Menschen, der durch das Wasser geht und ein Kind auf seinen Schultern trägt. Dieses Bild hat mich sofort berührt und begleitet mich bis heute.

Für mich trägt es eine einfache Botschaft:

Ich bin getragen.

Dieser Satz ist zu einem inneren Anker geworden.

Wenn Sorgen auftauchen und ich noch nicht weiß, wie etwas weitergehen wird, kehre ich in dieses Gefühl zurück.

Ich muss heute nicht den gesamten Weg kennen. Ich muss nicht jede Lösung sofort finden. Ich darf den nächsten Schritt gehen und darauf vertrauen, dass sich der darauffolgende zeigen wird.

„Ich bin getragen“ bedeutet für mich nicht, Verantwortung abzugeben. Auch der Mensch auf dem Bild geht selbst durch das Wasser. Er setzt einen Fuß vor den anderen und trägt zugleich eine Last.

Und dennoch wirkt es, als würde auch er gehalten.

Genau so empfinde ich das Leben.

Ich entscheide. Ich handle. Ich gestalte. Aber ich muss nicht glauben, alles kontrollieren zu können.

Wenn ich in dieses Gefühl zurückfinde, verändert sich die äußere Situation nicht unbedingt sofort. Doch in mir entsteht wieder Weite. Die Sorge verliert ihre alles bestimmende Kraft, und ich kann dem, was kommt, aus einer anderen Haltung begegnen.

Für mich lauten die Worte:

Ich bin getragen.

Für dich können es andere Worte sein. Entscheidend ist, dass du weißt, was dich innerlich hält, wenn dein Leben ins Wanken gerät.

Das Leben dient dir zur Freude

Ein weiterer Satz begleitet mich seit vielen Jahren:

Das Leben dient mir zur Freude.

Dieser Satz ist nicht aus einem Leben ohne Schmerz entstanden. Gerade deshalb bedeutet er mir so viel.

Er erinnert mich daran, dass Schmerz niemals die einzige Wahrheit unseres Lebens bleiben muss.

Und diesen Gedanken möchte ich auch dir mitgeben:

Das Leben dient dir zur Freude.

Dein Leben ist nicht nur dazu da, Pflichten zu erfüllen, Schwierigkeiten zu bewältigen und für andere zu funktionieren.

Freude muss nicht warten, bis alle Probleme gelöst sind. Sie muss nicht verdient werden. Sie ist keine Belohnung für ein besonders gut gemeistertes Leben.

Freude darf mitten in einem unvollkommenen Leben ihren Platz haben.

Das bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Es bedeutet, offen zu bleiben für das, was neben aller Schwere ebenfalls da ist: ein Mensch, der uns nahesteht, ein stiller Augenblick, ein liebevoller Blick, ein neuer Gedanke oder eine Möglichkeit, die sich zeigt.

Es bedeutet, das Schöne nicht kleinzureden, nur weil auch Schwieriges existiert.

Und es bedeutet, das eigene Leben nicht ausschließlich auf Pflicht, Angst und Durchhalten auszurichten.

Auch das ist eine geistige Haltung: sich dem Leben immer wieder zuzuwenden und der Freude einen selbstverständlichen Platz zu geben.

Aus welcher Haltung möchtest du weitergehen?

Wir können nicht verhindern, dass das Leben uns erschüttert. Doch wir können bewusst darauf achten, aus welcher Haltung heraus wir dem begegnen, was kommt.

Diese Haltung entsteht aus dem, was wir über uns und das Leben glauben. Aus Erfahrungen, die uns gezeigt haben, dass wir schon vieles getragen haben. Aus Gedanken, die uns aufrichten. Und aus dem Vertrauen, dass wir nicht heute schon jede Antwort kennen müssen.

Eine schwere Zeit darf uns für eine Weile den Boden nehmen. Aber sie muss nicht das letzte Wort über unsere Zukunft haben.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Was könnte alles geschehen?

Sondern auch:

Aus welcher Haltung möchte ich dem begegnen, was kommt?

Für mich sind es drei Sätze, die mich seit vielen Jahren begleiten:

Der Geist steht über der Materie.
Das Leben dient mir zur Freude.
Ich bin getragen.

Sie erinnern mich daran, dass ich nicht den ganzen Weg kennen muss.

Es genügt, den nächsten Schritt aus einer Haltung heraus zu gehen, die mich trägt.

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