Du bist mehr als diese eine Entscheidung

Unscharfe Frau im Hintergrund mit der Hand auf dem Herzen – Selbstmitgefühl bei Schuldgefühlen nach einem Schwangerschaftsabbruch

 

Über Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch

Es gibt Gespräche, die lange in mir nachwirken – besonders Gespräche mit Frauen, die noch viele Jahre später unter Schuldgefühlen nach einem Schwangerschaftsabbruch leiden. Sie denken an das Kind, das nicht geboren wurde, und können sich ihre damalige Entscheidung bis heute nicht verzeihen. Manche tragen diese Gefühle seit zwanzig, dreißig oder sogar vierzig Jahren mit sich. Einige glauben sogar, dass sie deshalb kein schönes und erfülltes Leben mehr verdient hätten.

Diese Gespräche haben mich dazu bewegt, diesen Beitrag zu schreiben. Nicht, weil ich beurteilen möchte, was damals richtig oder falsch gewesen wäre. Jede Geschichte ist anders, jede Lebenssituation war anders und jede Frau verbindet mit ihrer Entscheidung eigene Erinnerungen, Beweggründe und Gefühle.

Ich selbst war nie in dieser Situation. Deshalb möchte ich mir nicht anmaßen, zu wissen, wie es sich anfühlt, vor einer solchen Entscheidung zu stehen. Was ich jedoch erlebe, ist die große Härte, mit der manche Frauen noch Jahrzehnte später über die Frau urteilen, die sie damals waren.

Sie betrachten ihre frühere Entscheidung mit dem Wissen und der Lebenserfahrung von heute. Dabei vergessen sie leicht, dass sie damals in einer anderen Wirklichkeit lebten. Ihnen standen möglicherweise nicht dieselben inneren Kräfte, Möglichkeiten und Unterstützungen zur Verfügung wie heute.

Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch im damaligen Zusammenhang sehen

Die Frau von damals war womöglich sehr jung, allein oder in einer schwierigen Beziehung. Finanzielle Sorgen, gesundheitliche Belastungen, familiäre Konflikte oder der Druck anderer Menschen können eine Rolle gespielt haben. Manche Frauen hatten niemanden, mit dem sie offen sprechen konnten. Andere glaubten, einem Kind nicht das Leben geben zu können, das sie ihm gewünscht hätten. Wieder andere sahen in ihrer damaligen Situation keinen Weg, der für sie wirklich tragbar erschien.

Eine solche Entscheidung entsteht niemals losgelöst vom übrigen Leben. Sie steht in Verbindung mit der damaligen Lebenssituation, den Beziehungen, den Ängsten und auch mit der Unterstützung, die vorhanden war oder gefehlt hat. Aus systemischer Sicht betrachten wir deshalb nicht nur die einzelne Entscheidung, sondern ebenso das Umfeld, in dem sie entstanden ist.

Wer war damals an deiner Seite und wer hat dich unterstützt? Gab es jemanden, der dich beeinflusst oder unter Druck gesetzt hat? Was hat dir gefehlt? Und was hätte die Frau, die du damals warst, gebraucht, um sich sicherer und freier entscheiden zu können?

Diese Fragen machen das Geschehene nicht ungeschehen und sollen auch nichts beschönigen. Dennoch helfen sie dabei, die damalige Frau wieder in ihrer ganzen Lebenswirklichkeit zu sehen.

Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch richten den Blick oft nur auf die Entscheidung selbst. Heute blickst du jedoch aus einem Leben auf diese Frau zurück, das es damals noch nicht gab. Inzwischen verfügst du womöglich über mehr Erfahrung, Selbstvertrauen oder Unabhängigkeit. Du hast dich weiterentwickelt und würdest manches heute anders betrachten.

Die Frau von damals konnte nur mit dem leben und handeln, was ihr zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand. Sie verdient deshalb nicht nur dein Urteil. Sie verdient auch dein Verständnis.

Wem gehört die Stimme, die dich verurteilt?

Schuldgefühle fühlen sich sehr persönlich an. Dennoch lohnt es sich, genauer hinzuhören: Ist es wirklich nur deine eigene Stimme, die dich so hart verurteilt? Oder wirken darin auch Vorstellungen aus deiner Familie, deinem sozialen Umfeld, einer damaligen Partnerschaft oder deiner religiösen Erziehung weiter?

Oft sind es einzelne Bemerkungen, die in einem Gespräch gefallen und in uns hängen geblieben sind. Ein Satz wurde schnell und ohne viel Nachdenken ausgesprochen. Für die Frau, die ihn gehört hat, wurde er jedoch zu einer inneren Wahrheit, die sie viele Jahre mit sich trug.

Wie konntest du das nur tun? Damit musst du jetzt leben. Das wirst du dir nie verzeihen können.

Auch unausgesprochene Urteile können lange nachwirken: ein bestimmter Blick, eine ablehnende Reaktion oder das Gefühl, über die eigene Geschichte nicht sprechen zu dürfen. Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch können durch solche Bemerkungen und Bewertungen zusätzlich verstärkt werden.

So entsteht mit der Zeit die Überzeugung, dass eine Frau wegen ihrer Entscheidung keine Freude mehr empfinden darf. Ein schönes Leben erscheint ihr unangebracht. Oder sie glaubt, durch ihr weiteres Leiden beweisen zu müssen, dass ihr das ungeborene Leben nicht gleichgültig war.

Trauer braucht keine Selbstbestrafung

Doch Erinnerung braucht keine lebenslange Selbstbestrafung.

Würdest du einer anderen Frau, die dir ihre Geschichte anvertraut, sagen, dass sie für immer leiden muss? Würdest du ihr erklären, dass sie keine Liebe, keine Freude und kein erfülltes Leben mehr verdient?

Wahrscheinlich würdest du ihr zuhören, ihre damalige Situation verstehen wollen und ihre Trauer ernst nehmen. Du würdest sie nicht auf diesen einen Moment ihres Lebens reduzieren.

Dieses Mitgefühl darf auch dir selbst gelten.

Der Gedanke an das Kind, das nicht geboren wurde, darf bleiben. Ebenso dürfen Fragen auftauchen: Wie alt wäre es heute? Wie hätte sich mein Leben entwickelt, wenn ich damals einen anderen Weg gegangen wäre?

Auch deine Trauer darf ihren Platz haben. Sie ist jedoch nicht dasselbe wie Selbstbestrafung. Du kannst das ungeborene Leben in liebevoller Erinnerung tragen, ohne dein eigenes Leben für immer zurückzuweisen. Erinnerung und neue Lebensfreude dürfen nebeneinander bestehen.

Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch und Selbstvergebung

Bei Schuldgefühlen nach einem Schwangerschaftsabbruch kann das Wort Selbstvergebung zunächst Widerstand auslösen. Denn es kann sich so anhören, als sollte das Geschehene kleingeredet oder die damalige Entscheidung nachträglich gutgeheißen werden.

Doch darum geht es nicht.

Frieden zu finden bedeutet nicht, dass du heute wieder genauso entscheiden würdest. Ebenso wenig bedeutet es, dass dir das Geschehene gleichgültig geworden ist. Selbstvergebung kann heißen, anzuerkennen, dass diese Entscheidung zu deiner Geschichte gehört, ohne zuzulassen, dass sie deine ganze Geschichte bestimmt.

Du darfst dir sagen:

Diese Entscheidung gehört zu meinem Leben. Sie hat Spuren in mir hinterlassen. Ich trauere um das, was nicht gelebt werden konnte. Und dennoch darf ich weiterleben.

Verantwortung zu übernehmen ist nicht dasselbe, wie sich für den Rest des Lebens zu bestrafen. Du musst deine Vergangenheit nicht vergessen, um wieder Freude empfinden zu dürfen. Vollkommener Frieden muss auch nicht von einem Tag auf den anderen entstehen.

Heute darf ein erster Gedanke Raum bekommen:

Auch du verdienst Mitgefühl.

Mitgefühl für die Frau, die du damals warst – für ihre Angst, ihre Überforderung, ihre Einsamkeit und für alles, was sie möglicherweise ohne ausreichende Unterstützung tragen musste.

Die Frau von damals braucht nicht länger nur deine Verurteilung. Sie braucht dein Verständnis, deine Hand und die Gewissheit, dass sie zu dir gehört.

Du gehörst zu mir. Ich lasse dich nicht länger allein.

Denn du bist mehr als diese eine Entscheidung. Sie gehört zu deiner Geschichte, aber sie ist nicht deine ganze Geschichte. Deine Würde ist dadurch nicht verloren gegangen. Deine Fähigkeit zu lieben ist geblieben. Und auch dein Recht auf ein schönes und erfülltes Leben besteht weiterhin.

Ein Duft als liebevolle Begleitung

Düfte können das Vergangene nicht verändern. Sie können uns jedoch dabei begleiten, zur Ruhe zu kommen, uns selbst bewusster wahrzunehmen und einen geschützten Moment für unsere Gefühle zu schaffen.

Ein Duft kann Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch nicht auflösen. Er kann aber einen stillen Raum unterstützen, in dem du dir selbst achtsamer und liebevoller begegnest.

Für ein Ritual der Versöhnung empfinde ich die Rose als besonders stimmig. Ihr Duft steht für mich für Liebe, Würde und die behutsame Hinwendung zu uns selbst.

Mein Rosenbalsam kann dabei zu einem persönlichen Duftanker werden. Er ist keine Lösung für Trauer oder Schuldgefühle. Dennoch kann er einen liebevollen Moment begleiten, in dem du dich selbst wieder wahrnimmst und der Frau von damals mit mehr Wärme begegnest.

Trage eine kleine Menge auf deine Handgelenke oder sanft über deinem Herzraum auf und nimm den Duft in Ruhe wahr, ohne etwas Bestimmtes erreichen zu müssen.

Link zum Rosenbalsam:Rosenbalsam von Aromaglück mit Rose und ätherischen Ölen für Selbstliebe, Geborgenheit und innere Ruhe.

https://www.aromaglueck-shop.at/produkt/rosenbalsam-fuer-herz-seele-ein-liebevolles-ritual-fuer-selbstliebe/

Das Ritual kann selbstverständlich auch ohne Duft durchgeführt werden. Ein Duft ist keine Voraussetzung, sondern eine mögliche Begleitung.

Wenn du Düfte liebst und dir deine Begleitung selbst mischen möchtest, kannst du ein sanftes Körperöl herstellen.

Körperöl „Versöhnung mit mir“ – 30 ml

Rezeptur

  • 10 Tropfen Rose 10 %
  • 3 Tropfen Lavendel fein
  • 2 Tropfen Melisse 10 %
  • 1 Tropfen Weihrauch
  • 1 Tropfen Benzoe 10 %
  • 1 Tropfen Jasmin 10 %
  • mit Jojobaöl auf 30 ml auffüllen

Vermische alle Zutaten gut miteinander und lasse die Mischung einige Tage ruhen, damit sich die Düfte harmonisch verbinden.

Verwende Rose, Melisse, Benzoe und Jasmin in den angegebenen zehnprozentigen Verdünnungen. Das Körperöl ist ausschließlich zur äußerlichen Anwendung bestimmt. Bei empfindlicher Haut empfiehlt es sich, die Mischung zuerst an einer kleinen Hautstelle zu testen.

Die Bedeutung der einzelnen Düfte

Rose steht in dieser Mischung für Selbstannahme, Selbstmitgefühl und die liebevolle Hinwendung zur eigenen Geschichte. Lavendel fein bringt Ruhe in die Komposition und begleitet Momente innerer Anspannung. Melisse schenkt der Mischung eine feine, tröstende und zuversichtliche Note.

Weihrauch steht für Sammlung, Weite und die Möglichkeit, mit etwas Abstand auf das Erlebte zu blicken. Benzoe vermittelt Wärme, Geborgenheit und das Gefühl, innerlich gehalten zu sein. Jasmin erinnert an die eigene Würde, an die Lebendigkeit und daran, sich dem Leben wieder zuzuwenden. Jojobaöl bildet eine hautfreundliche und stabile Grundlage, in der sich die feinen Düfte ruhig entfalten können.

Auch die Tuberose ist für mich eine besondere Duftbegleiterin. Ich habe selbst erfahren, wie ihr tiefer, warmer Duft in mir etwas Versöhnliches berührt hat. Sie hat mich dabei begleitet, mir selbst weicher und liebevoller zu begegnen.

Das ist meine persönliche Wahrnehmung. Jeder Mensch erlebt einen Duft anders. Entscheidend ist deshalb nicht, welcher Duft theoretisch passend sein sollte, sondern bei welchem Duft du dich sicher, wohl und innerlich angesprochen fühlst.

Ein behutsames Ritual der Versöhnung

Wenn Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch lange nachwirken, kann ein bewusstes Ritual den eigenen Gefühlen einen geschützten Raum geben.

Schenke dir dafür einen stillen Moment und wähle einen Ort, an dem du dich sicher und ungestört fühlst. Du kannst eine Kerze anzünden und deinen Rosenbalsam, das Körperöl „Versöhnung mit mir“ oder einen anderen vertrauten Duft verwenden.

Trage eine kleine Menge auf deine Handgelenke oder sanft über deinem Herzraum auf. Schließe die Augen und nimm einige ruhige Atemzüge.

Du musst nichts Bestimmtes fühlen, nichts loslassen und auch nichts erzwingen. Es genügt, dass du da bist und dir selbst diesen Moment schenkst.

Lege eine Hand auf dein Herz. Spüre deinen Atem und nimm wahr, wie du heute hier sitzt – als die Frau, die du geworden bist.

Schreibe anschließend auf, was du dem ungeborenen Leben heute sagen möchtest und was all die Jahre unausgesprochen geblieben ist. Spüre auch nach, wie du es heute in liebevoller Erinnerung bewahren möchtest.

Danach wende dich der Frau zu, die du damals warst. Erinnere dich daran, was sie gefühlt hat, wovor sie Angst hatte und was ihr gefehlt hat. Frage dich, was ihr damals geholfen hätte und welche Worte du ihr heute schenken möchtest.

Es können Tränen entstehen, Trauer, Wut oder Erleichterung. Ebenso kann zunächst nur Stille da sein. Es gibt kein richtiges oder falsches Erleben.

Zum Abschluss kannst du deine Arme um deine Schultern legen oder beide Hände auf dein Herz geben und dir sagen:

Ich sehe dich.
Ich sehe deinen Schmerz.
Ich sehe deine Geschichte.
Und ich beginne, dir mit Mitgefühl zu begegnen.

Versöhnung bedeutet nicht, dass das Geschehene ungeschehen wird. Sie beginnt dort, wo du aufhörst, dich ausschließlich durch diese eine Entscheidung zu betrachten.

Du darfst um das trauern, was nicht gelebt werden konnte, und zugleich das Leben annehmen, das heute vor dir liegt. Erinnerung und neue Lebensfreude dürfen nebeneinander bestehen. Auch deine Geschichte darf ihren Platz haben, ohne dass du dich darin verlierst.

Denn du bist mehr als diese eine Entscheidung.

Und auch du darfst ein schönes Leben haben.

Wenn dich Schuldgefühle nach einem Schwangerschaftsabbruch, deine Erinnerungen oder deine Trauer weiterhin stark belasten, darfst du dir Unterstützung holen. Eine einfühlsame Beratung oder psychotherapeutische Begleitung kann einen geschützten Raum schaffen, in dem deine Geschichte angesehen werden darf, ohne dass du dafür verurteilt wirst.

Wenn du dir eine persönliche systemische Begleitung wünschst, findest du weitere Informationen zu meiner Beratung mit diesem Link:

https://www.aromaglueck.at/dein-weg-zu-dir—coaching.html

Manche Erfahrungen werden nicht dadurch leichter, dass wir sie weiterhin allein tragen.

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